Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben

Rammstein und heilige Kühe

26. September 2013 | Von | Kategorie: Porträt 

Swen Riediger ist neuer Chef des Porsche Zentrums Kassel – Ein Querdenker mit Ecken und Kanten
Swen Riediger (39) ist  neuer Chef des Porsche  Zentrums Kassel. Foto: Mario ZgollSo muss das wahre Leben aussehen: Tennis spielen, viel lesen, gern Essen gehen, fotografieren, tauchen, aus Zeitvertreib im eigenen Garten arbeiten und Porsche fahren. Die Rede ist nicht von einem Filmstar oder einem englischen Klischee-Millionär. Swen Riediger macht all diese Dinge. Doch der neue Chef des Porsche Zentrums Kassel lebt nicht wie Gott in Frankreich. Er arbeitet hart. An sich und an anderen. Und außerdem lebt er in Fuldabrück. Das mit Frankreich liegt schon einige Jahre zurück.

Sport war politisch unverfänglich
Swen Riediger war schon immer ein bisschen anders. In der Schule zum Beispiel. Als er nach der zehnten Klasse sein Zeugnis überreicht bekam, sagte seine Lehrerin zu ihm, er sei von Anfang an „immer nur kontra“ gewesen. „Das stimmt“, sagt Riediger. „Ich hatte viele Probleme, war immer strikt gegen das System.“ Das System, das war der Staatsapparat der DDR, denn Swen Riediger ist in Sangerhausen geboren. Lange vor der Wende. Ein Arbeiterkind. Die Mutter arbeitete in einer Fahrradfabrik, der Vater war Bergmann. „Ich konnte meine Probleme dadurch lindern, dass ich viel Handball und Fußball spielte. Das war politisch einigermaßen unverfänglich, damit war man anerkannt.“ Doch Riediger wollte raus, die engen Grenzen des Ostblocks waren ihm ein Gräuel. „In mir war auch schon immer etwas von einem Kapitalisten“, grinst der noch 39-Jährige. „Ich schwärmte damals schon von Mercedes und von Porsche.“ Der Direktor seiner Schule hatte einmal gemutmaßt, Riediger werde der erste sein, der einmal in einem BMW vorfahren werde. „Er hat sich geirrt“, sagt Swen Riediger süffisant, „es war ein Mercedes.“ Mit 16 ging Riediger nach Mittenwald, lernte dreieinhalb Jahre Hotelfachmann im besten Hotel des Ortes. Eigentlich, so gesteht er freimütig, habe er diesen Job nur gemacht, um aus der DDR raus zu kommen. Riediger wollte reisen, die Welt sehen. Also verdingte er sich nach seinem Ausflug ins Hotelfach, arbeitete zwei Jahre als Flugbegleiter. Er sah große Teile der Welt, erfüllte sich damit seinen Traum und wurde dennoch nicht richtig glücklich. Die Liebe zu den Autos wies ihm den Weg. Er begann bei Mercedes in Essen. Als Verkäufer. Elf Jahre blieb er der Marke treu, wechselte dann für zwei Jahre zu BMW. Ein Kollege bei BMW, der zuvor bei Porsche gearbeitet hatte, wusste von Riedigers Faible für die Sportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen und empfahl ihn bei Porsche. „Das Auswahlverfahren war hart,“ erinnert sich Riediger. Seine ihm eigene Disziplin half. Seit März leitet er das Porsche Zentrum Kassel, nach einem für ihn ebenso ungewöhnlichen wie striktem Auswahlverfahren.

Das Porsche Zentrum möchte Riediger weiter nach vorne bringen.  In Sachen Kundenzufriedenheit unter die Top Ten in Deutschland. Foto: Mario ZgollDer neue Chef des Kasseler Porsche Zentrums hat in Mittenwald gelernt, arbeitete in Essen, in Saarbrücken und in Köln. Als er in Saarbrücken arbeitete, wohnte er unweit der Grenze in Frankreich. „Das Lebensgefühl war toll“, sagt er. Und jetzt Nordhessen? In Kassel sei er super aufgenommen worden, sagt Swen Riediger, entgegen aller Klischees über sture Nordhessen. Überhaupt habe die Stadt unglaublich viel Potenzial, mehr, als viele Kasseler ahnten, „und das Umland finde ich phänomenal schön.“ Im Porsche Zentrum selbst habe er seit Dienstbeginn einiges umstrukturiert. „Als ich hier anfing, hatten wir hier nur schwarze Autos, heute leuchten gelbe, rote und metallic-braune Porsche zwischen den dunklen Boliden hervor und ändern damit auch den Charakter des Hauses. Auch die Mitarbeiter mussten sich umstellen. „Ich bin absolut fair, aber ich habe auch an meine Mitarbeiter sehr hohe Ansprüche.“ Im Lauf der Jahre habe er aber gelernt, seine eigenen Ansprüche an sich nicht auf andere zu übertragen. Wenn er Zeit hat, dann geht Swen Riediger seinen Hobbies nach. „Ich habe Glück, denn meine Frau Kathrin teilt da viele Vorlieben mit mir.“ Neben allen Aktivitäten liest er auch viel, am liebsten über Geschichte, gern auch Biografien. Und er hört Musik. Mendelssohn? Mussorgsky? Mitnichten. „Am liebsten höre ich Rammstein“, erklärt Riediger überraschend. „Ich finde, das ist der beste Live-Act, den es derzeit gibt.“ Ach ja, Depeche Mode findet er auch toll. „Die habe ich ganz oft live gesehen, und ich bin ja mit deren Musik aufgewachsen.“

Mit Ecken und Kanten
Nach unten nie, nach oben immer. Riediger orientiert sich immer an der Spitze. Und das tut dem Autohaus gut. „In der Kundenzufriedenheit sind wir unter 85 Autohäusern von Platz 82 auf 37 geklettert“, sagt der neue Chef, „aber mein Ziel ist, unter die Top Ten zu kommen.“ Wer ihm gegenüber sitzt und sich mit ihm unterhält, der glaubt Swen Riediger aufs Wort, dass er dieses Ziel erreichen wird. Der gelernte Dienstleister schätzt sich selbst klar ein: „Ich bin, wie ich bin, finde Ja-Sager furchtbar und habe Ecken und Kanten. Diese Ecken und Kanten liebe ich auch bei Mitarbeitern, das bringt uns alle nach vorn. Ansonsten solle sich jeder selbst ein Bild von mir machen.“ Ist er ein Querdenker? „Ganz bestimmt, und ich habe auch keine Angst davor, auch mal ein paar heilige Kühe zu schlachten, wenn es die Situation erfordert und das Unternehmen weiter bringt.“


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